Sustain Award 2026: Bauabfälle als Baustoffe nutzen
Bauabfälle und knappe Deponiekapazitäten
Bau- und Abbruchabfälle machen einen großen Teil des Abfallaufkommens in Deutschland aus: Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes waren es 2024 rund 183 Millionen Tonnen und damit die Hälfte aller Abfälle. Gleichzeitig werden Deponiekapazitäten für bestimmte Bauabfälle knapp. Nach Modellrechnungen des Forschungsteams könnten sie in mehreren Bundesländern bereits vor 2030 ausgeschöpft sein. Solche Engpässe können längere Transportwege und höhere Entsorgungskosten für Unternehmen bedeuten.
Bodenmaterialien für den erneuten Einsatz aufbereiten
Das Frankfurter Projekt untersucht sogenannte zeitweise fließfähige Bodenbaustoffe. Dafür werden Aushub- und Bodenmaterialien mit Wasser, Tonmineralien und geringen Mengen Zement aufbereitet. Ziel ist es, sie für Maßnahmen zur Baugrundverbesserung nutzbar zu machen und dabei Primärrohstoffe wie Sand oder Kies zu ersetzen. Bei einer Baugrundverbesserung werden die Eigenschaften des Untergrunds gezielt verändert, damit er die Anforderungen des jeweiligen Bauvorhabens erfüllt.
Für den späteren Einsatz kommt es darauf an, ob die aufbereiteten Materialien die benötigten technischen Eigenschaften aufweisen und zugleich umweltverträglich sind. Die Forschenden untersuchen deshalb die technische Umsetzbarkeit, das mechanische Verhalten und die umwelttechnische Eignung. Das mechanische Verhalten beschreibt unter anderem, wie ein Material auf Belastungen reagiert.
Schadstoffe im Material binden
Ein Schwerpunkt liegt auf der Bindung von Schadstoffen. Erste Laboruntersuchungen zeigen nach Angaben der Hochschule, dass Tonminerale Schwermetalle binden können. Bei dieser sogenannten Immobilisierung bleiben die Schadstoffe im Material. Ihre Beweglichkeit und damit ihre mögliche Verlagerung in die Umwelt sollen verringert werden. Wie wirksam die Bindung ist, hängt auch von den Eigenschaften und Bedingungen im Material ab.
Die ersten Ergebnisse geben Hinweise auf das Potenzial des Ansatzes. Der Nachweis, dass die aufbereiteten Baustoffe in realen Bauvorhaben sicher und praxistauglich eingesetzt werden können, steht jedoch noch aus. Weitere Untersuchungen sollen die Grundlage für diese Bewertung schaffen.
Mit dem Preisgeld von 4.000 Euro wollen Leppla und Siekemeyer weitere umweltanalytische Untersuchungen zur Bindung von Schadstoffen finanzieren. Die Laborversuche werden extern durchgeführt. Studentische Hilfskräfte sollen die Probenherstellung, Dokumentation und Auswertung unterstützen.
Bewährt sich der Ansatz in der Praxis, könnte er Bauunternehmen und Entsorgungsbetrieben zusätzliche Möglichkeiten zur Verwertung mineralischer Bauabfälle eröffnen. Das Verfahren könnte den Bedarf an Primärrohstoffen und Deponievolumen verringern. Auch eine Reduktion von CO₂-Emissionen gehört zu den möglichen Vorteilen.
Der Sustain Award wird seit 2024 von der Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung mit Unterstützung von Procter & Gamble ausgelobt. Er würdigt Projekte der Frankfurt UAS, die Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre voranbringen. In diesem Jahr hatten sich insgesamt 13 Projekte um die Auszeichnung beworben.
Bildunterschrift: Verleihung des Sustain Awards 2026 (v. l. n. r.): Astrid Schulte (Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung), Prof. Dr.-Ing. Steffen Leppla und Tobias Siekemeyer (beide Preisträger), Gabriele Hässig (Procter & Gamble) und Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke (Präsident Frankfurt UAS).
Weitere Informationen
Mehr über das ausgezeichnete Forschungsprojekt und den Sustain Award 2026 der Frankfurt UAS erfahren.
Quellen
- Bildquelle: Frankfurt UAS
- Quelle: Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), Pressemitteilung vom 1. Oktober 2026

