Digitalisierung in Deutschland 2026: DIHK stellt neue Umfrageergebnisse
Warum Unternehmen digitalisieren – solide Basis, aber ohne Aufholjagd
Viele Unternehmen in Deutschland sind digital ordentlich aufgestellt. Prozesse funktionieren, IT-Systeme sind stabil, Daten werden zunehmend strukturiert genutzt. Digitalisierung hilft vor allem dabei, effizienter zu arbeiten, Kosten zu senken und die Qualität von Produkten und Dienstleistungen zu sichern – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Gleichzeitig zeigt sich: Trotz dieser soliden Basis kommt kaum zusätzliche Dynamik auf. Die Unternehmen halten Schritt, machen aber keinen großen Sprung nach vorne. Für echte Fortschritte braucht es neben betrieblichem Engagement vor allem klare Regeln, weniger Bürokratie und bessere Rahmenbedingungen – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.

KI wird zum Wettbewerbsfaktor – doch unsichere Rahmenbedingungen bremsen
Künstliche Intelligenz ist im Unternehmensalltag angekommen und entwickelt sich zunehmend zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Besonders häufig wird KI bereits heute eingesetzt:
- für Texte, Bilder und Code (78 %)
- für personalisierte Kundenansprache und Support (43 %)
- für Qualitätssicherung und Prozessüberwachung (38 %)
Unternehmen, die KI nutzen, berichten deutlich häufiger von Produktivitätsgewinnen. Besonders stark zeigen sich diese Effekte in informations- und datenintensiven Branchen, während Industrie und Handel zunehmend aufholen.
Gleichzeitig stoßen viele Unternehmen bei der weiteren Nutzung von KI auf erhebliche Hürden:
- rechtliche Unsicherheiten bei KI und Datennutzung
- fehlende Standards und offene Schnittstellen
- hohe bürokratische Anforderungen
Gerade kleinen und mittleren Unternehmen fehlt häufig die notwendige Sicherheit, was erlaubt ist und was nicht. Diese Unsicherheiten bremsen Investitionen und erschweren die Ausschöpfung der vorhandenen Innovations- und Produktivitätspotenziale.

Infrastruktur und Verwaltung: Zwei Baustellen
Der Ausbau schneller Netze kommt voran: Rund 60 % der Unternehmen verfügen bereits über einen Gigabit-Anschluss. Doch hohe Baukosten und langsame Genehmigungsverfahren bremsen den weiteren Ausbau.
Noch kritischer bewerten Unternehmen die digitale Leistungsfähigkeit der Verwaltung:
Note 4-minus – das reicht gerade so, wird aber zunehmend zum Standortnachteil.

Cybersicherheit: Prävention gut, Krisenfestigkeit ausbaufähig
Die Bedrohungslage bleibt hoch. Viele Unternehmen investieren in Schutzmaßnahmen wie Backups oder Updates. Doch Notfallübungen und echte Krisenvorsorge fehlen – vor allem bei kleineren Betrieben.

Digitale Souveränität: Abhängigkeiten nehmen zu
Fast jedes zweite Unternehmen fühlt sich bei Hardware, Betriebssystemen oder Cloud-Lösungen stark von Nicht-EU-Anbietern abhängig. Der Ruf nach:
- offenen Standards
- Open-Source-Lösungen
- digitaler Bildung
- weniger Bürokratie
wird immer lauter.

Hessen im Bundesvergleich
Die Ergebnisse der Digiumfrage für Hessen bestätigen in zentralen Punkten die bundesweiten Trends der DIHK-Digitalisierungsumfrage. Hessische Unternehmen bewerten ihren Digitalisierungsgrad überwiegend als solide und liegen damit im Bereich des Bundesdurchschnitts. Die digitale Basis ist vorhanden, größere Aufholbewegungen bleiben jedoch – wie auch auf Bundesebene – aus.
Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz zeigt sich ein ähnliches Bild: KI-Anwendungen gewinnen an Bedeutung, werden jedoch vor allem in standardnahen Einsatzfeldern genutzt. Produktivitätspotenziale werden erkannt, gleichzeitig agieren viele Unternehmen – insbesondere KMU – noch zurückhaltend.
Als größte Hemmnisse nennen hessische Unternehmen wie im Bund vor allem rechtliche Unsicherheiten, bürokratische Anforderungen sowie fehlende Standards und Schnittstellen. Die größten Bremsfaktoren liegen damit weniger in den Unternehmen selbst als in den äußeren Rahmenbedingungen. Insgesamt bewegt sich Hessen digital auf Augenhöhe mit dem Bund, ohne klare Vorreiter- oder Nachzüglerrolle.

Was die Wirtschaft jetzt braucht
Um die digitale Transformation erfolgreich voranzubringen, formulieren die Unternehmen klare Erwartungen an Politik und Verwaltung:
- Verlässliche und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen
Klare, rechtssichere und praxistaugliche Regelungen – insbesondere für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die Nutzung von Daten – sind Voraussetzung, um Investitionen zu ermöglichen und bürokratische Hürden abzubauen. - Weniger Bürokratie, mehr Handlungsspielraum
Doppelregulierungen und komplexe Genehmigungsverfahren bremsen digitale Projekte. Unternehmen brauchen einfache, konsistente und digital umsetzbare Vorgaben auf allen Ebenen. - Schnellerer Ausbau digitaler Infrastrukturen
Der Ausbau von Glasfaser- und Mobilfunknetzen muss beschleunigt werden. Digitale Genehmigungsverfahren und effizientere Verwaltungsprozesse sind dafür entscheidend. - Eine konsequent digitale, nutzerorientierte Verwaltung
Unternehmen erwarten durchgängig digitale Verfahren, klare Zuständigkeiten und ein plattformbasiertes Verwaltungsökosystem, das effizient arbeitet und Innovation ermöglicht. - Stärkung der digitalen Souveränität
Offene Schnittstellen und Standards, die Förderung von Open-Source-Lösungen sowie Investitionen in digitale Kompetenzen, Rechenzentren und Schlüsseltechnologien sind zentrale Bausteine für mehr Unabhängigkeit. - Cybersicherheit als Gemeinschaftsaufgabe
Notwendig sind passgenaue Unterstützungsangebote, mehr Austausch zwischen Staat und Wirtschaft sowie ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess zur Stärkung der digitalen Resilienz – insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.
Weitere Informationen
DIHK-Digitalisierungsumfrage 2025
Quellen
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