Januar 2025 / Innovations-Management & Methoden

Lean Management: Warum Führung Prozesse im Alltag wirksam macht

Prozesse sind dokumentiert, bekannt und trotzdem wirkungslos. Im Alltag wird improvisiert, abgestimmt, vertagt – obwohl der Ablauf eigentlich klar ist. Der Beitrag zeigt, warum Prozesse selten am Inhalt scheitern, sondern an Anwendung, Führung und Qualifikation.

Warum bekannte Prozesse nicht funktionieren

Vielleicht kennen Sie folgende Situation: Der Termin ist kurz angesetzt. Dreißig Minuten sollen reichen. Es geht um eine einfache Abstimmung zwischen zwei Bereichen. Der Ablauf ist klar, der Prozess bekannt, die Beteiligten sind vorbereitet.

Nach zehn Minuten wird klar, dass es komplizierter wird als gedacht. Eine Schnittstelle ist anders geregelt worden als angenommen. Eine Information fehlt. Eine Entscheidung liegt bei jemandem, der heute nicht dabei ist. Die Runde einigt sich darauf, das Thema mitzunehmen. Eine Mail soll Klarheit schaffen. Ein weiterer Termin wird eingestellt. Am Ende sind dreißig Minuten vergangen. Der Prozess wurde eingehalten. Die Entscheidung nicht getroffen. Solche Situationen sind alltäglich. Sie wirken unspektakulär. Und genau deshalb werden sie selten hinterfragt.

In vielen Unternehmen sind Prozesse sauber beschrieben. Sie liegen strukturiert im Laufwerk, sind Teil des Intranets oder wurden in Workshops gemeinsam erarbeitet. Die Beteiligten kennen sie grundsätzlich. Zumindest wissen sie, dass es sie gibt und wofür sie gedacht sind. Und trotzdem läuft der Arbeitsalltag oft anders: Im Tagesgeschäft wird improvisiert, abgekürzt oder umgangen. Schritte werden angepasst, Reihenfolgen verändert, Entscheidungen situativ getroffen. Nicht aus Nachlässigkeit und nicht aus Widerstand, sondern weil der Prozess in der konkreten Situation keine Orientierung gibt. Der Prozess ist bekannt, aber er wirkt nicht.

Wissen über Prozesse ersetzt keine Anwendung

Ein verbreiteter Irrtum besteht darin, Prozesse mit Wissen gleichzusetzen. Die Annahme lautet oft: Wenn ein Ablauf dokumentiert ist und kommuniziert wurde, wird er auch eingehalten. Diese Logik klingt schlüssig, hält der Realität jedoch selten stand.

Menschen arbeiten nicht nach Dokumenten, sondern nach Situationen. Unter Zeitdruck greift Erfahrung. Bei Unsicherheit greift Beziehung. Bei Unklarheit greift Intuition. Der beschriebene Prozess verliert in diesen Momenten an Bedeutung, weil er im entscheidenden Augenblick keine klare Handlungsorientierung bietet. Der Prozess ist dann nicht falsch, aber er ist zu weit vom Alltag entfernt.

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Prozesse scheitern selten am Inhalt

Viele Prozesse sind fachlich korrekt. Sie bilden Abläufe sauber ab, berücksichtigen Schnittstellen und decken Sonderfälle ab. Genau darin liegt häufig das Problem. Je vollständiger ein Prozess beschrieben ist, desto schwerer lässt er sich im Alltag anwenden. Was fehlt, ist Anschlussfähigkeit.

Ein Prozess muss beantworten, wann er gilt, wer ihn verantwortet und wie mit Abweichungen umgegangen wird. Bleiben diese Fragen offen, entsteht im Alltag eine zweite Version des Prozesses. Ungeschrieben, situativ und von Team zu Team unterschiedlich. Diese informelle Version ist oft schneller. Sie wirkt pragmatisch. Sie ist jedoch nicht stabil und nicht reproduzierbar.

Führung entscheidet über Wirksamkeit von Prozessen

Ob Prozesse wirken, ist keine Frage der Dokumentation, sondern der Führung. Dort, wo Prozesse klar erwartet und regelmäßig genutzt werden, entstehen Routinen. Dort, wo Erwartungen unklar bleiben, entsteht Interpretationsspielraum.

Viele Führungskräfte gehen davon aus, dass Prozesse sich durch ihre Existenz durchsetzen. Das ist selten der Fall. Prozesse brauchen Führung, um Wirkung zu entfalten. Sie brauchen klare Erwartungen, konsequente Anwendung und eine sichtbare Haltung im Alltag. Ohne diese Elemente bleiben Prozesse Empfehlungen. Sie sind vorhanden, aber nicht prägend für die tägliche Arbeit.

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Standardisierung schafft Entlastung, nicht Einschränkung

Prozesse werden häufig als Einschränkung wahrgenommen. Als etwas, das Flexibilität nimmt und Handlungsspielräume begrenzt. In der Praxis zeigt sich häufig das Gegenteil: Ein wirksamer Prozess entlastet. Er reduziert Rückfragen, verkürzt Abstimmung und schafft Sicherheit im Arbeitsalltag.

Voraussetzung ist, dass der Prozess nicht als starre Vorgabe verstanden wird, sondern als gemeinsame Orientierung. Das setzt voraus, dass Prozesse nicht nur definiert, sondern auch eingeübt, reflektiert und weiterentwickelt werden. Nicht einmalig, sondern kontinuierlich.

Prozessdenken ist eine Fähigkeit

Prozesse wirksam zu nutzen, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist eine Kompetenz. Menschen können lernen, Abläufe zu beobachten, Engpässe zu erkennen, sinnvolle Standards festzulegen und Abweichungen konstruktiv zu nutzen.

Diese Fähigkeit entsteht nicht durch Vorlagen oder Prozesshandbücher. Sie entsteht durch Qualifikation und durch die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Arbeitsalltag. Unternehmen, in denen Prozesse wirken, investieren weniger in neue Dokumente und mehr in Menschen, die Prozesse verstehen, anwenden und weiterentwickeln können.

Lean nutzen: Qualifikation statt Aktionismus

Prozesse entfalten ihre Wirkung nicht auf dem Papier, sondern im Alltag. Lean beschreibt eine strukturierte Art, Arbeit zu betrachten und Abläufe so zu gestalten, dass sie Orientierung geben, Zusammenarbeit vereinfachen und Entscheidungen unterstützen.

Wer Lean im Unternehmen ernsthaft nutzen will, braucht mehr als bekannte Prozesse. Er braucht qualifizierte Menschen, die wissen, wie Prozesse geführt, gelebt und weiterentwickelt werden. Aktionismus erzeugt Bewegung. Qualifikation erzeugt Stabilität und Wirkung.

UNSER EXPERTE

Sebastian Reimer

Unser Experte Sebastian Reimer vom Lean Service Institute in Rosbach bei Frankfurt legt seinen Fokus insbesondere auf die ganzheitliche Vermittlung und Implementierung von Lean Service Management und Lean Leadership. Sebastian Reimer bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung im Training von Lean-Methoden und der Umsetzung von Lean-Projekten mit.

Im Lean Service Institut geben mehr als 10 interdisziplinäre Expertinnen und Experten das unser Wissen durch Beratung, Training und Coaching an Kunden in Mittelstand und Großunternehmen weiter. Sie identifizieren Verbesserungspotenziale und zeigen, wo unnötige Kosten eingespart und ein Mehrwert für unsere Kunden geschafft werden können. Unser Framework für Lean Service Management unterstützt einen systematischen Wandel in beherrschbaren Schritten.

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IHK-Zertifikatslehrgang

Vom Lean Starter zum Lean Manager

Unser IHK-Zertifikatslehrgang vermittelt Fachkräften aus verschiedensten Unternehmensbereichen praxisorientierte Lean-Methoden und -Tools, um Prozesse im Unternehmen optimieren zu können, Verschwendung zu vermeiden und die Wertschöpfung effektiv zu steigern.

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Quellen

  • Titelbildquelle: adobestock_921796688
  • Fotos: Workshop im Lean Service Insititute
  • Text: Sebastian Reimer, Lean Service Institute

Ansprechpartner:in

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Frank Irmscher

Innovationsberater
Frankfurt am Main

Telefon: 069 2197-1515
F.Irmscher@frankfurt-main.ihk.de

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