Effectuation: Scheitern erlaubt

Klas­si­sches Manage­ment ist kein idea­ler Nähr­bo­den für Inno­va­tio­nen. Ein For­scher­team um Prof. Malte Bret­tel aus dem Bereich Entre­pre­neurship in den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten der RWTH Aachen befragte mehr als 500 Mana­ger aus dem Bereich F&E zu ihren letz­ten Pro­jek­ten. Das Ergeb­nis: Je inno­va­ti­ver ein Pro­jekt, desto weni­ger erfolg­reich waren die Befrag­ten mit klas­si­scher Pla­nung und Pro­jekt­ma­nage­ment. Statt­des­sen emp­fan­den sie hier die offene Her­an­ge­hens­weise nach „Effec­tua­tion“ (aus dem Engl.: die Aus­füh­rung) als erfolg­rei­cher.

Klas­si­sches Manage­ment setzt sich ein Ziel in der Zukunft und legt die ein­zu­set­zen­den Mit­tel fest, mit denen die­ses Ziel erreicht wer­den muss. Das funk­tio­niert beson­ders gut, je höher die Sta­bi­li­tät einer Situa­tion, je plan­ba­rer das Umfeld ist. Fehlt die Basis für den klas­si­schen „guten“ Plan, sind belast­bare Zukunfts­pro­gno­sen nicht mög­lich. Damit gerät die kau­sale Logik des klas­si­schen Manage­ments ins Strau­cheln. Mit den Prin­zi­pien von Effec­tua­tion kön­nen Pro­jekt­be­tei­ligte sofort han­deln, trotz Unge­wiss­heit. Denn genau das zeich­net Pro­jekte mit einem hohen Inno­va­ti­ons­grad aus, dass dabei der Anteil des Nicht-Berechenbaren und Nicht-Planbaren stets groß ist.

Effec­tua­tion lässt sich als Ent­schei­dungs­lo­gik beschrei­ben, mit einer Hand­voll intui­tiv anzu­wen­den­der Prin­zi­pien:

  1. Starte in der Gegen­wart mit dem, was Du hast.
  2. Lege fest, wel­cher Ver­lust erlaubt ist.
  3. Nutze Zufälle und Unge­wiss­heit.
  4. Suche Dir Bünd­nis­part­ner, sie geben Pro­jek­ten neue Ideen und Impulse.
  5. Alles, was Du steu­ernd beein­flus­sen kannst, brauchst Du nicht vor­her­zu­sa­gen.

Die Prin­zi­pien von Effec­tua­tion anzu­wen­den, kann für Orga­ni­sa­tio­nen, Füh­rungs­kräfte und Mit­ar­bei­ter eine Zeit der Umge­wöh­nung bedeu­ten. Klas­si­sches Manage­ment bei­spiels­weise misst über einen Soll-Ist-Vergleich den Pro­jekt­er­folg. Schei­tern ist dabei weder vor­ge­se­hen noch gut ange­se­hen. Bei Effec­tua­tion wird diese Option fix ein­kal­ku­liert, indem man fragt: Bis wohin ist der Ver­lust leist­bar? Droht eine Über­schrei­tung, bedeu­tet dies das sofor­tige (Projekt-)Aus. Was bis zu die­sem Zeit­punkt inves­tiert wurde, zählt dabei nicht als Ver­lust, son­dern ist inves­tiert und damit wert­voll. Um zukünf­tig inner­halb eines Unter­neh­mens nach Effec­tua­tion han­deln zu kön­nen, muss dies auch die Feh­ler­kul­tur der Orga­ni­sa­tion zulas­sen. Feh­ler sind, im Rah­men eines vorab defi­nier­ten Risi­kos (leist­ba­rer Ver­lust), inte­gra­ler Pro­zess­be­stand­teil und eine wert­volle Lern­chance für die Zukunft.

Intra­pre­neurship, also unter­neh­me­ri­sches Han­deln der Ein­zel­nen im Unter­neh­men zu wecken, die pas­sen­den Rah­men­be­din­gun­gen und Frei­räume bereit­zu­stel­len, ist des­halb eine der gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen für Unter­neh­men und Füh­rungs­kräfte. Effec­tua­tion ist dafür ein über­aus nütz­li­ches Tool, um mit der unter­neh­mens­ei­ge­nen Inno­va­ti­ons­kraft erfolg­reich die Zukunft mit­zu­ge­stal­ten.

Uwe Techt, Spea­ker, Autor und Geschäfts­füh­rer der VISTEM GmbH, https://uwetecht.de/

Work­shop der IHK Kassel-Marburg mit Uwe Techt: „Effec­tua­tion“, 13.8.2018 und 10.05.2019
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