Von der Idee in die Serie: Reizstromgerät für Großvieh

Um neue Pro­dukte auf den Markt zu brin­gen braucht es häu­fig Ent­wick­lungs­part­ner, die sowohl aus der Wis­sen­schaft als auch der Wirt­schaft kom­men kön­nen. Um einen geeig­ne­ten Part­ner zu fin­den, berät IHK Hes­sen inno­va­tiv. Beson­ders hilf­reich sind dabei unsere Netz­werke und Clus­ter, die vor Ort mit Kon­tak­ten und Ideen behilf­lich sein kön­nen. In unse­rem Bericht von einer gelun­ge­nen Koope­ra­tion war das Netz­werk Design to Busi­ness aktiv und konnte den Kon­takt erfolg­reich her­stel­len.

Manch­mal kom­men Kun­den mit recht unge­wöhn­li­chen Pro­jek­ten auf das Team des Desi­gners und Pro­dukt­ent­wick­lers von Indus­tri­al­part­ners aus Ober­zent im Oden­wald zu. So auch der Kunde KN Sales: Der Fami­li­en­be­trieb hat einen Pro­to­typ für ein Reiz­strom­ge­rät ent­wi­ckelt, das Groß­vieh für Behand­lun­gen ruhig­stellt und suchte Unter­stüt­zung bei der Markt­ein­füh­rung.

Wer schon ein­mal von einem Rind geschubst oder gar getre­ten wurde, weiß, dass es sich dabei um eine ernst­hafte Gefahr han­delt. Gerade Tier­me­di­zi­ner tra­gen bei Behand­lun­gen an Groß­vieh ein enor­mes Ver­let­zungs­ri­siko. Ob bei der Ent­hor­nung, der Klau­en­pflege oder ande­ren tier­ärzt­li­chen Maß­nah­men: Wäh­rend der Ver­sor­gung muss das Tier unbe­dingt still hal­ten. Ein elek­tro­ni­sches Hilfs­ge­rät aus dem Oden­wald bie­tet seit Neu­es­tem inno­va­tive Unter­stüt­zung.

Von der Idee zur Serie

„Der ‚Gent­ler‘ schafft es sozu­sa­gen auf Knopf­druck, das Tier ver­har­ren zu las­sen. Und das ohne ihm zu scha­den“, erklärt Jens Schnur, Geschäfts­füh­rer von Indus­tri­al­part­ners in Ober­zent. Ein­ge­führt in den Darm, erzeuge das Reiz­strom­ge­rät ein leich­tes Krib­beln, das zu einer Immo­bi­li­sie­rung der Hin­ter­beine führe. Das Ver­har­ren des Tiers werde direkt wie­der gelöst, sobald die Behand­lung been­det und das Gerät aus­ge­schal­tet sei. „Das Ganze pas­siert ohne Wir­kungs­über­hang, also ohne jeg­li­che Neben­wir­kung für das Tier. Und Tier­ärzte oder Far­mer kön­nen ihre Behand­lung in einem arbeits­si­che­ren Umfeld durch­füh­ren.“

„Wir gestal­ten Pro­dukte, ent­wi­ckeln Tech­nik und Mecha­tro­nik, brin­gen die Ideen oder Pro­to­ty­pen unse­rer Kun­den zur Markt­reife und sor­gen abschlie­ßend für die Pro­duk­tion von Tei­len, Bau­grup­pen oder gan­zen Pro­duk­ten“, so Jens Schnur Indus­tri­al­part­ners GmbH.

Die inter­dis­zi­pli­när agie­ren­den Teams von Indus­tri­al­part­ners und der Hoff­mann und Kripp­ner Gruppe, zu der das mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men seit Anfang 2019 gehört, beschäf­ti­gen sich mit ver­schie­dens­ten tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen und deren Indus­tria­li­sie­rung. Neben solch unge­wöhn­li­chen Pro­jek­ten wie dem vete­ri­när­me­di­zi­ni­schen Pro­dukt „Gent­ler“ geht es meist um die Ent­wick­lung und Kom­po­nen­ten­pro­duk­tion aus unter­schied­li­chen Indus­trie­be­rei­chen - von der Kaf­fee­ma­schine über Bau­grup­pen für die Auto­mo­bil­in­dus­trie und den Maschi­nen­bau bis zu Hilfs­mit­teln für die Alten- und Pati­en­ten­pflege.

„Wir gestal­ten für unsere Kun­den Pro­dukte, ent­wi­ckeln die Tech­nik und die Mecha­tro­nik, brin­gen so die Ideen oder Pro­to­ty­pen unse­rer Kun­den zur Markt­reife und sor­gen abschlie­ßend für die Pro­duk­tion von Tei­len, Bau­grup­pen oder sogar gan­zen Pro­duk­ten“, sagt Jens Schnur.

„In Buchen bei Hoff­mann und Kripp­ner wer­den die Bedien­fo­lien pro­du­ziert, die mecha­ni­sche und die Elek­tro­nik­ent­wick­lung erfolgt in Ober­zent, die Dreh­teile wer­den bei unse­rem Kun­den in Fränkisch-Crumbach her­ge­stellt, der auch die End­mon­tage über­nimmt.“ Für den Gent­ler des Kun­den KN Sales habe Indus­tri­al­part­ners zusätz­lich sogar das Cor­po­rate Design inklu­sive Inter­net­auf­tritt gestal­tet. „Diese 360-Grad-Entwicklung für ein Pro­dukt war auch für uns etwas Beson­de­res.“

Mit­tel­ständ­ler wie wir

KN Sales, ein sie­ben­köp­fi­ger Fami­li­en­be­trieb in Fränkisch-Crumbach, hatte bereits drei Jahre in die Ent­wick­lung sei­ner Pro­dukt­idee inves­tiert. Nun ging es darum, den Funk­ti­ons­pro­to­ty­pen des „Gent­lers“ in opti­ma­ler Aus­fer­ti­gung an den Markt zu brin­gen. Bei Indus­tri­al­part­ners und Hoff­mann und Kripp­ner fand das Team die nöti­gen Kom­pe­ten­zen, Erfah­run­gen und noch etwas ganz Wesent­li­ches: „Das sind Mit­tel­ständ­ler wie wir. Wir agie­ren auf Augen­höhe, das ist sehr ange­nehm. Wir pro­fi­tie­ren von der sehr fle­xi­blen Arbeits­weise, von schnel­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­gen und vom star­ken Netz­werk der Unter­neh­mens­gruppe“, erläu­tert Philip Nie­der, Inha­ber von KN Sales. Inzwi­schen ist das neue High-Tech-Rinderimmobilisationsgerät für Tier­ärzte und Far­mer vor allem in Über­see sehr gefragt. Große Rin­der­far­men und Milch­vieh­be­triebe in Neu­see­land, Aus­tra­lien und Süd­ame­rika sind die bevor­zug­ten Ziel­märkte. „Für die­ses Gerät“, sagt der 28-jährige Geschäfts­füh­rer Phil­ipp Nie­der nicht ohne Stolz, „sind wir welt­weit der ein­zige Her­stel­ler.“

Den rich­ti­gen Part­ner zu fin­den für ein umfas­sen­de­res Leis­tungs­an­ge­bot, dies trieb Unter­neh­mer Jens Schnur selbst vor eini­gen Jah­ren um. Der Maschi­nen­bau­in­ge­nieur arbei­tete seit 1994 selb­stän­dig und ent­schied sich 2005 für eine Zusam­men­ar­beit mit dem Pro­dukt­de­si­gner Jens Arend. „Es ging uns darum, unser Know-how gegen­sei­tig zu ergän­zen und inte­grierte Gesamt­lö­sun­gen anbie­ten zu kön­nen.“

„Wir arbei­ten für inter­na­tio­nale Kun­den in Schwe­den, Groß­bri­tan­nien oder in den USA und China“, so Jens Schnur. Digi­tale Tech­nik wird zur Wei­ter­ent­wick­lung der Pro­dukt­pa­lette genutzt, seit andert­halb Jah­ren inves­tiere man bei­spiels­weise grup­pen­über­grei­fend stark in die Ent­wick­lung von Pro­duk­ten im Bereich IoT (Inter­net of Things), berich­tet der Unter­neh­mer. Ein ers­tes Bei­spiel der erfolg­rei­chen Ent­wick­lungs­ar­beit auf die­sem Feld sind soge­nannte Tracking-Module: Sie wer­den unter ande­rem zur Objekt­ver­fol­gung oder als Appli­ka­tio­nen für die vor­aus­schau­ende War­tung von Indus­trie­ma­schi­nen ein­ge­setzt.

Stra­te­gi­sches Wachs­tum und inno­va­tive Ideen, ent­wi­ckelt im Ver­bund mit pas­sen­den Part­nern wie den Unter­neh­men der Hoffmann- und Krippner-Gruppe – diese kol­la­bo­ra­tive Stra­te­gie mache die Erfolgs­ge­schichte von Indus­tri­al­part­ners aus, ist Jens Schnur über­zeugt.

 

Auto­rin: Bianca Strauss

Ansprech­part­ner: Frank Irm­scher, IHK Offen­bach, Tel.: 069 8207-342

Text­quelle

Bild­nach­weis: IHK Darm­stadt, Arndt Fal­ter